
Das Beschneiden bei Bonsai spielt eine grundlegende Rolle für die ästhetische Erhaltung der Pflanze. Wie die anderen in der Bonsai-Kunst verwendeten Techniken zeichnet sich auch sie durch spezifische Methoden dieser Kunst aus.
Durch das Beschneiden (neben anderen Techniken) formen und erhalten wir die Form des Baumes und verleihen ihm das gewünschte Aussehen. Außerdem bewirken wir eine Verringerung der Blattgröße und der Internodien (Abstand zwischen den Blättern), fördern die Dichte der Pflanze (erhöhen die Anzahl der Blätter) und verteilen die Energie im Bonsai neu.
Das Prinzip, das beim Beschneiden von Bonsai angewendet wird, ähnelt sehr dem beim Heckenschnitt: Indem die apikal dominanten Knospen (dominierende) geschnitten werden, regt ihre Energie die Achselknospen an, welche kleinere Blätter mit kürzeren Internodien produzieren. So erreichen wir eine Verzweigung der Äste, was die Dichte der Pflanze erhöht.
Beim Bonsai gibt es verschiedene Arten des Beschneidens, je nach den gewünschten Zielen und der anzuwendenden Art:
Wurzelschnitt – Wird während des Umtopfens durchgeführt und betrifft die dickeren Wurzeln (Stabilität), mit dem Ziel, die feineren Wurzeln (Nährstoffaufnahme) zu stimulieren.
Bei diesem Schnitt sollten dicke Astscheren oder Wurzelscheren verwendet werden, die einen geraden Schnittwinkel haben (es entsteht keine Vertiefung wie bei Astscheren). Diese Schnittart regt die Bildung neuer Wurzeln an der Schnittstelle an.
Formgebender Schnitt – Ein starker Schnitt, der zur Erschaffung eines Bonsai oder zur ästhetischen Umgestaltung eines Baumes durch Veränderung seiner Form dient. Dabei werden dicke Äste der Pflanze mit Hilfe von speziellen Bonsai-Zangen und Sägen gesägt.
Nach dem Entfernen der Äste sollte der Schnitt mit einer konkaven Schneidezange vertieft werden, um die Heilung zu erleichtern, vor allem bei Schnitten mit einem Durchmesser über 5 mm, und es sollten Wundverschlussmittel aufgetragen werden, um die Heilung zu fördern und die Pflanze vor Pilzen und Insekten zu schützen.

Erhaltungsschnitt – Diese Art des Schnitts betrifft das neue Wachstum der Pflanze, mit dem Ziel, ihre Form zu erhalten, die Blätter und den Abstand der Internodien zu verringern und schließlich die energetisch dominanten Äste zu kontrollieren, um die schwächeren zu stärken.
Er wird mit Scheren durchgeführt und in einigen Fällen mit den Händen.

Entfernung der Apikalknospen (Metsumi auf Japanisch) – Diese Technik besteht darin, nur die apikal dominanten Knospen der Pflanze zu entfernen, und zwar in der frühen Wachstumsphase des Astes (nachdem 1 oder 2 Blattpaare gebildet wurden). So können wir die Form eines Bonsai länger erhalten und kleinere Blätter erzielen.
Sie ist speziell für sehr ästhetisch ausgearbeitete Bonsai gedacht, bei denen man die Form so lange wie möglich stabil halten möchte, und für Arten mit großen Blättern, die ein dominantes Blattwachstum im Frühjahrsspross zeigen (z.B. Ficus, Apfelbäume, Ahorn, Buchen, etc.).

Schuppenblatt-Beschneiden – Pflanzen, deren Blätter schuppenähnlich sind (z.B.: Juniperus, Cryptomeria, Chamaecyparis, etc.). Diese Pflanzen werden mit den Fingerspitzen „gezwickt“.
Dieser Prozess wird angewendet, weil bei einem Schnitt mit der Schere die Schnittstelle gelb und trocken wird.
Kiefern-Beschneiden – Kiefern werden beschnitten, wenn sie beginnen, die „Kerzen“ (Wachstumszone der neuen Knospen) zu bilden, aber bevor diese ihr Wachstum einstellen und sich die Nadeln verlängern. Durch das Beschneiden (mit den Fingerspitzen) in dieser Wachstumsphase fördern wir die Bildung mehrerer neuer Knospen, wodurch der Ast verzweigt wird und die Pflanzendichte steigt.

Entlaubung – Obwohl es sich nicht direkt um einen Schnitt handelt, kann diese Technik in diesem Artikel erwähnt werden. Sie wird bei Pflanzen mit großen Blättern angewandt, um deren Größe zu reduzieren, die Kompaktheit zu erhöhen und die Herbstfärbung zu verbessern (z.B. Ahorn).
Dabei werden alle Blätter entfernt, wobei die Blattstiele erhalten bleiben. Sie wird in einer Phase angewandt, in der das Blatt bereits ausgereift ist und die Blattknospen für das folgende Jahr gebildet sind; in Portugal etwa im Juli.

Oft nutzt man diese Zeit, um die Pflanze zu verschnüren, da dies dann leichter durchzuführen ist, oder in manchen Fällen umzutopfen (z.B. Ficus Retusa).
Teilweise angewandt (indem die Blätter der stärkeren Äste entfernt und die der schwächeren belassen werden), dient die Entlaubung dazu, die Energie der Pflanze auszugleichen und die schwachen Bereiche zu stärken.
Entlaubt werden sollten nur gesunde, kräftige Pflanzen, die im vorangegangenen Frühjahr gut gedüngt wurden. Nach der Entlaubung sollte der Bonsai der Sonne ausgesetzt werden, die Wassergabe kontrolliert werden, da die Pflanze weniger Wasser verbraucht, und es sollte nicht gedüngt werden, bis die neuen Triebe erscheinen.
Wöchentlich sollte Bio Bonsai Activ angewendet werden.